PATRICK YVONNE, Germany 2013

Freiwilligenprojekt in Thailand, Teil 1

Tag 119: Ankunft in Sakaeo, Thailand

Ankunft in Thailand

Ankunft in Thailand

Nach der langen Silvesternacht quälen wir uns aus den Federn und sind froh zumindest einen etwas späteren Bus gebucht zu haben. Wir werden vom Hostel zum Busbahnhof gebracht und starten noch etwas gerädert unsere Fahrt nach Poipet. Die Stadt liegt am Grenzübergang zu Thailand und wird auf einigen Internetseiten ganz unzensiert als „Drecksloch“ bezeichnet. Zwischen den Grenzübergängen gibt es einige Casinos und deren Publikum und Umfeld genießen keinen guten Ruf. Nachdem wir den Bus verlassen haben, marschieren wir schnurstracks über die Grenze und bis auf einen flüchtigen Blick auf die Casions bekommen wir davon aber nicht viel mit.

Einige Tage zuvor haben wir uns nochmal über die Einreisebestimmungen informiert und mit Erschrecken festgestellt, dass man im Gegensatz zur Einreise mit dem Flugzeug (wo deutsche Staatsbürger kostenlos eine Aufenthaltsgenehmigung für 30 Tage bekommen) über den Landweg einen Ausreisebeleg (Bus- oder Flugticket) benötigt und nur eine Aufenthaltsgenehmigung für 15 Tage bekommt. Wir wollen 30 Tage bleiben und haben kein Ausreiseticket, was uns ein bisschen Sorge bereitet. Nachdem uns dieses Planungsmissgeschick aufgefallen ist, erkundigen wir uns an unterschiedlichen Stellen und bekommen die Information, dass ein Ausreiseticket nicht unbedingt notwendig ist und wir im Notfall nach 15 Tagen zurück zur Grenze fahren und erneut einreisen können. Mit diesen Informationen kommen wir zum Schalter und werden positiv überrascht. Der Beamte überprüft den Reisepass und wir bekommen ohne Diskussion einen Stempel mit Aufenthaltserlaubnis für 30 Tage. Entweder sind  die Informationen des Auswärtigen Amtes ausnahmsweise mal nicht aktuell.

An der Anuban Wat Sakaeo Schule werden wir Englisch unterrichten

An der Anuban Wat Sakaeo Schule werden wir Englisch unterrichten

Nachdem wir uns die ersten Baht (Thailändische Währung) gezogen haben, geht es mit einem Tuktuk zur Busstation und haben Anfangs etwas Schwierigkeiten den richtigen Bus zu finden, denn hier spricht keiner Englisch. Letztendlich können wir uns aber doch durchfragen und erreichen eine Stunde später Sakaeo.  Vor knapp 2 Monaten haben wir uns für ein Freiwilligenprojekt in Thailand beworben. Wir werden nun die nächsten drei Wochen an der Anuban Wat Sakaeo Primary School als Lehrer Englisch unterrichten. Nach der vielen Reiserei sind wir froh mal wieder für ein paar Wochen sesshaft zu werden und ob ihr es glaubt oder nicht: Wir haben richtig Lust zu arbeiten!

Die ersten thailändischen Spezialitäten

Die ersten thailändischen Spezialitäten

Unsere Ansprechpartnerin Pimchonak holt uns mit ihrem Mann und Tochter „Little Monkey“ an der Busstation ab. Die Drei empfangen uns sehr herzlich und bevor wir zur Schule fahren, geht es erst einmal in ein Thairestaurant, wo wir uns mit lokalen Spezialitäten sattessen. Wir fühlen uns im neuen Umfeld sehr schnell wohl, was wahrscheinlich daran liegt, dass die Drei sehr gastfreundlich sind und sehr offen mit uns sprechen. Die Schule bietet erst seit etwa einem Jahr Freiwilligenprojekte an und erst wenige Tage zuvor wurde das Apartment direkt auf dem Schulcampus fertiggestellt.

Wie die Meisten hier schlafen wir auf dem Boden

Wie die Meisten in dieser Gegend schlafen wir auf dem Boden

Nach dem Essen betreten wir unser neues Heim und die Beschreibung „Einfach und Sauber“ trifft den Nagel auf den Kopf. Es gibt zwei Zimmer von denen Eins komplett leer ist und im Anderen finden wir 2 dünne Schlafmatten und Fleecedecken. Im Badezimmer gibt es nur kaltes Wasser und weder eine Klospülung noch ein Waschbecken. Ein Wasserhahn mit Eimer muss ausreichen. Die Räume riechen noch etwas nach Farbe, was Pimchonak sehr viel Sorgen macht, aber wir sind bereits zufrieden. Es ist sauber, alle Fenster haben ein Moskitogitter und wir sind uns sicher, dass wir es uns hier heimisch machen können.

Tag 120: Der erste Schultag

Wir sind schon ganz aufgeregt und gespannt, wie alles verlaufen und was uns erwarten wird. Die Sonne scheint und das Thermometer fängt schon am frühen Morgen an zu steigen. Der Schultag beginnt hier in Thailand traditionell mit einer Flaggenzeremonie direkt vor der Schule auf dem Sportplatz. Als wir dort ankommen, haben sich die bereits fast 2.000 Schüler und das Lehrerkollegium zur Zeremonie versammelt. Wir sind etwas überrumpelt, als wir wenig später in die Zeremonie integriert werden und auf einmal mit einem Mikro in der Hand vor der ganzen Schule stehen. Zumindest weiß jeder am ersten Tag wer wir sind.

Wir lernen die ersten Lehrer kennen

Wir lernen die ersten Lehrer kennen

Nach der Zeremonie werden uns einige Lehrer vorgestellt und wir erfahren, dass von den knapp 90 Lehrern nur etwa 10-12 Englisch sprechen. Diese unterrichten hauptsächlich im IEP, dem Intensiv Englisch Programm, dass es seit 2 Jahren an dieser Schule gibt und die Schüler verstärkt Englisch lernen. Die anderen Schüler lernen nur aus Textbüchern und haben somit gar keinen praktischen Unterricht. Als nächstes haben wir einen Termin beim Direktor der Schule, indem wir uns nochmal etwas ausführlicher vorstellen. Der Direktor spricht nur wenige Worte Englisch, ist aber durchaus interessiert. Wenig später fahren wir mit zwei Co-Direktoren in eine Mall, wo wir frühstücken und Sie währenddessen einige Dinge für unsere Unterkunft einkaufen. Mitunter wird Putzzeug, etwas Geschirr und Waschschüsseln gekauft.  Direkt nach unserer Rückkehr werden wir bereits zum Mittagessen beim Direktor erwartet – volles Programm am erste Tag.

Am Nachmittag führt uns „Teacher Ian“ über das große Schulgelände. Wir erfahren, dass sich die Lehrer auf Englisch nicht mit vollem Namen, sondern mit „Teacher Abkürzung“ ansprechen und Pimchonak beispielsweise „Teacher A“ gerufen wird. Das ist uns natürlich recht, denn die vielen, teilweise komplizierten neuen Namen können wir uns ansonsten sowie nicht merken.

Das Hauptgebäude bei der Flaggenzeremonie

Das Hauptgebäude bei der Flaggenzeremonie

Das Gelände ist sehr weitläufig. Es gibt einen Kindergarten und 6 Stufen, von der jede 5-7 Klassen hat. Jede Klasse hat im Schnitt 40 Schüler. Wir haben bereits einen Stundenplan und offenbar wurde beschlossen, dass jede Klasse in den Genuss unseres Unterrichts kommen darf. Für jeweils eine Stunde pro Woche wird Yvonne den Kindergarten und die Klassen 1-3 unterrichten, während ich in den Klassen 3-6 aktiv bin. Während unseres Rundgangs werfen wir einen Blick in alle Klassen und stellen uns kurz den Lehrern und Schülern vor.

Mit fast 2.000 Schülern warten wir auf die Prinzessin von Thailand

Mit fast 2.000 Schülern warten wir auf die Prinzessin von Thailand

Zwischendrin gehen wir mit den allen Schülern an die Straße vor der Schule, da hier in Kürze die Prinzessin vorbeifahren wird, die in Thailand sehr verehrt wird. Scheinbar hat sie es eilig, denn wir sehen nur eine Karawane von Autos mit einem affenzahn vorbeifahren. Nach der erschöpfenden Vorstellungsrunde ruhen wir uns ein bisschen aus, bis uns Teacher A zum Abendessen abholt. Wir werden in ein weiteres Thairestaurant geführt und dürfen weitere Spezialitäten probieren.

Als wir wieder im Apartment ankommen erwartet uns eine positive Überraschung. Der unmöblierte Hauptraum wurde um eine Couch, einen Couchtisch und ein kleines Schränkchen bereichert. Zudem verfügen wir jetzt über eine Mikrowelle und einen Wasserkocher. Bevor wir uns entspannt zurücklehnen, setzen wir uns noch an die Vorbereitungen für den nächsten Tag, wo wir unsere ersten Unterrichtsstunden haben werden.

Tag 121: Der erste Tag als Lehrer

Am ersten Tag stehen wir direkt vor der Klasse

Am ersten Tag stehen wir direkt vor der Klasse

Ich habe Glück, denn der Unterricht der Klassen 3-6 beginnt immer erst um 09:00, während Yvonnes Klassen schon um 08:30 starten. Der Unterricht selbst ist eine Herausforderung, denn wir unterrichten eine Fremdsprache ohne mit den Kids in ihrer Muttersprache kommunizieren zu können. Theoretisch könnten uns die thailändischen Lehrer unterstützen, aber entweder sprechen sie selbst kaum Englisch oder verdrücken sich sobald wir in die Klasse kommen.

Die Kommunikation mit den Schülern ist ausschließlich auf Englisch und in Bildsprache

Die Kommunikation mit den Schülern ist ausschließlich auf Englisch und in Bildsprache

Wie wir später erfahren, aus Angst in den Unterricht involviert zu werden und aus Bequemlichkeit. Die Unterrichtsvorbereitung war ebenfalls nicht einfach, denn wir haben keine Ahnung über den Kenntnisstand und können uns ohnehin schwer für 20 unterschiedliche Klassen effizient vorbereiten. Ich habe mir das Spielchen „Show your Hands“ überlegt, in dem wir Körperteile benennen und dabei Bewegungen machen. Das Spiel klappt super als Eisbrecher und im weiteren Unterricht benennen und malen wir Tiere und Sportarten und sprechen darüber so gut es geht. Mir fällt schnell auf, dass die Klassen, selbst wenn sie in der gleichen Stufe sind, einen sehr unterschiedlichen Kenntnisstand haben.

Das Interesse der Lehrer und Schüler variiert stark

Das Interesse der Lehrer und Schüler variiert stark

Die Meisten können lediglich Zahlen, Tiere, Sportarten und einige Gegenstände benennen, und haben große Probleme einen Satz  zu bilden bzw. können diesen lediglich reproduzieren. Das ist manchmal sehr lustig, denn sie reproduzieren den Satz inkl. Satzmelodie und Füllwörter, so dass wir genau darauf achten müssen, was wir sagen. Yvonne kennt für die jüngeren Klassen einige englische Kinderlieder, die sehr gut ankommen. Der Unterricht ist sehr anstrengend, da die Klassen mit 40 Kindern sehr groß sind, eine Schulstunde 60 Minuten hat und oft Unruhe aufkommt. Die thailändischen Lehrer sorgen mit dem Stock für Ruhe, aber daran wollen wir uns nicht beteiligen.

Nach dem ersten Schultag und jeweils vier unterschiedlichen Klassen, von denen wir einige auch schon ganz alleine unterrichten mussten, sind wir Beide ziemlich geschafft. Besonders der Kindergarten war sehr laut und anstrengend für Yvonne und ich hatte als letzte Stunde eine vierte Klasse mit einigen vorpubertären Jungs, die mir die letztenNerven (für diese Woche) geraubt haben.

Die Party zum Start des Jahres 2557

Die Party zum Start des Jahres 2557

Ein weiteres Highlight steht heute noch an- die Neujahrsparty! Bevor diese beginnt haben wir uns erstmal etwas ausgeruht. Aber es bleibt nicht viel Zeit dafür, wir legen wir unsere beste Kleidung an und starten ins nächste Erlebnis. Für die thailändischen Lehrer ist heute der erste Schultag in 2014 (nach thailändischer Zeitrechnung 2557) und somit gibt es eine traditionelle Neujahrsparty. Hier gibt es jede Menge zu Essen und nachdem wir die erste Stunde aus Respekt und Höflichkeit am Tisch des Direktors verbracht haben, gesellen wir uns zu den anderen Englischlehrern.

Alle Fachbereiche haben etwas vorbereitet

Alle Fachbereiche haben etwas vorbereitet

Auf der großen Bühne präsentieren die einzelnen Stufen- und Fachbereiche Tanzchoreographien und Karaoke steht hier ganz hoch im Kurs. Es ist laut (was hier üblich ist) und die Lehrer sind gut gelaunt. Es gibt keinen Alkohol, aber das ist hier weder üblich noch notwendig. Wir sind von dem Kollegium sehr nett aufgenommen worden und fühlen uns bereits am zweiten Tag sehr integriert. An der Fotowand sind wir besonders beliebt und posieren im Laufe des Abends mit den meisten Lehrern.

Wir posieren fleißig mit den Lehrern

Wir posieren fleißig mit den Lehrern

Was wir ebenfalls schnell lernen: Die Thailänder posten alle ihrer Fotos auf Facebook, anstatt die besten auszusuchen. So sieht man uns wenig später nicht nur posierend, sondern auch kauend, mit geschlossenen Augen oder anderen ungünstigen Posen auf den Seiten der Lehrer.

Nachdem alle Klassenlehrer und auch wir auf der Bühne Geschenke (Handtücher) erhalten haben, gibt es noch eine Verlosung, die sich ellenlang hinzieht. Gegen 21:30 Uhr lassen wir chinesische Laternen fliegen und es wird ein bisschen geböllert. Wenig später verdrücken wir uns dann frühzeitig von der Party. Der Tag war sehr anstrengend und natürlich können wir am nächsten Morgen nicht ausschlafen.